Die Altstadt - Handelsmetropole des Mittelalters

Gemeinsam mit Altewiek bildet die Altstadt den ältesten Teil Braunschweigs. Bereits im 11. Jahrhundert befand sich am westlichen Ufer der Oker im Bereich des heutigen Kohlmarkts eine Kaufmannssiedlung, die um das Jahr 1000 entstand. Heute wird sie als Kohlmarktsiedlung bezeichnet.
Von dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung unter Heinrich dem Löwen im 12. Jahrhundert profitierte die Altstadt beträchtlich. Der Welfenfürst ließ sie weiter ausbauen und spätestens in diesem Verlauf entwickelte sich die Altstadt zum dominierenden wirtschaftlichen und politischen Zentrum der Stadt.
Seit dem 13. Jh. gewannen die Gilden starken Einfluss auf das städtische Regiment. Die Zunahme des Handels und die Mitgliedschaft in der Hanse hatten bis dahin ein starkes Gewicht der Fernhandelskaufleute im politischen Leben bewirkt.
Das Weichbild Altstadt bestand bis zur Vereinigung mit den anderen vier Weichbilden Altewiek, Hagen, Neustadt und Sack im Jahr 1671. In diesem Jahr gelang dem absolutistisch regierenden Herzog Rudolf August die endgültige Unterwerfung der Stadt und der Verlust der städtischen Freiheit äußerte sich in der Abschaffung der alten Weichbildräte.
Von da an stand die ehemalige Bürgerstadt Braunschweig unter der Herrschaft des Fürstentums und dem jahrhundertealten Bestreben der Stadt nach politischer Selbstständigkeit wurde ein Ende gesetzt
Die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges trafen vor allem Braunschweigs mittelalterlich geprägte Innenstadt. Mit einem Zerstörungsgrad von über 90 % hat der Bombenangriff von 1944 das Erscheinungsbild der Altstadt nachhaltig verändert.
Seitenanfang - 11.-13. Jhdt. - 14.-15. Jhdt. - 16.-17. Jhdt. - 18.-19. Jhdt. - 20. Jhdt. - Heute
Um 1000
Erste Besiedlung westlich der Oker
Um 1050
Die Altstadt wird entlang der Breiten Straße erweitert
Nach 1100
Der recheckige Altstadtmarkt wird als planmäßige Erweiterung des Kohlmarktes angelegt
Um 1117
Die Altstadt erhält (höchstwahrscheinlich) das Stadtrecht
Nach 1160
Befestigung der Altstadt
1198
Baubeginn der Altstädter Pfarrkirche St. Martini durch die Beauftragung Herzog Heinrich dem Löwen.
Um 1200
Bildung des Altstadtrates
1231
Erste namentliche Erwähnung der Ratsherren der Altstadt
1253
Baubeginn des Westflügels des neuen Altstadtrathauses, der Nordflügel folgte um 1450.
1269
Zusammenschluss der Weichbildräte von Altstadt, Hagen und Neustadt zur Bildung des Gemeinen Rates (zehn Ratsherren der Altstadt, sechs aus dem Hagen und vier aus der Neustadt)
Um 1290
Großbrand in der Altstadt
1293/94
„Schicht der Gildenmeister“, bei der die Handwerksgilden auf einen Anteil an der, von Altstädter Patriziern und Großkaufleuten dominierten Stadtregierung drängen
1294
Ersterwähnung des „Haus zu den sieben Türmen“
Seitenanfang - 11.-13. Jhdt. - 14.-15. Jhdt. - 16.-17. Jhdt. - 18.-19. Jhdt. - 20. Jhdt. - Heute
1301
Erste urkundliche Erwähnung der Jakobskirche
1303
Erste urkundliche Erwähnung des Gewandhauses
1304
Erste urkundliche Erwähnung der Bartholomäuskapelle
1325
Erste Überlieferung eines Gemeinen Rates mit Ratsherren aller fünf Weichbilde
1345
Der neue Herzog bestätigte in der Huldigungsordnung dem Gemeinen Rat die alten Privilegien in denen der welfische Stadt- und Landesherr in der Vergangenheit aus Geldmangel immer mehr stadtherrliche Rechte durch Verpfändung, Verkauf oder Schenkung an die Stadt abtrat.
1352
der Gewandhauskeller erhält das Schankprivileg
1354
wurde die Waage der Altstadt auf dem Kohlmarkt errichtet.
1374
während der innerstädtischen Unruhen der „Große Schicht“ wurden mehrere Ratsherren und der Bürgermeister der Altstadt, Tile von Damm, getötet; infolge dieser gewalttätigen Ausschreitungen wurde Braunschweig bis 1380 aus der Hanse ausgeschlossen, was zu großen wirtschaftlichen Verlusten führte
1386
Errichtung der St. Autor-Kapelle neben dem Altstadtrathaus an der Breiten Straße
1408
Der Marienbrunnen auf dem Altstadtmarkt wird aufgestellt
1415
Gründung der beiden Lateinschulen Martineum und Katharineum
1445
im „Großen Brief“ einigten sich der Rat und die Gildemeister darauf, den Gemeinden das aktive Wahlrecht zu gewähren. Hintergrund war die Unzufriedenheit der Gemeinden die sich gegenüber den Gilden im Rat unterrepräsentiert fühlten.
Um 1455
Aufstellung der 17 fast lebensgroßen Standbilder ottonischer und welfischer Kaiser, Könige und Herzöge mit ihren Gemahlinnen; die an der Ost- und Südseite befindlichen Statuen wurden von Hans Hesse geschaffen
1488/1491
Aufstand der Bürger und Gilden gegen eine neue Münzordnung unter Ludeke Hollant, der später selbst aus der Stadt vertrieben wurde
Seitenanfang - 11.-13. Jhdt. - 14.-15. Jhdt. - 16.-17. Jhdt. - 18.-19. Jhdt. - 20. Jhdt. - Heute
1544
die Ulrici-Kirche auf dem Kohlmarkt wird wegen Baufälligkeit abgerissen; die Brüdernkirche wird neue Pfarrkirche der St. Ulrici-Gemeinde
1588 bis 1592
unter Generalbaumeister Hans Lampe wird das inzwischen baufällige Gewandhaus umgebaut und der Ostgiebel zur Schaufassade umgestaltet
1595
Umzug des Martineums von der Jakobstraße in den Neubau am Ziegenmarkt
16. Jahrhundert
Einführung der Braunschweiger Elle als verbindliches Längenmaß, allgemein zugänglich am zweiten Pfeiler des Altstadtrathauses eingelassen
16. Juni 1671
Feierliche Huldigung für Rudolf August und seinen Bruder Anton Ulrich vor dem Altstadtrathaus. Dem seit 1666 absolutistisch regierenden Herzog Rudolf August gelang mit Hilfe seiner Vettern die endgültige Einnahme und Unterwerfung der Stadt, somit ging das Altstadtrathaus in den herzoglichen Besitz über. Die Weichbildräte wurden abgeschafft und das selbstständige Weichbild Altstadt hörte auf zu existieren.
1680
Abbruch der St. Autor-Kapelle neben dem Altstadtrathaus an der Breiten Straße
1681
Der Autorshof wird an Stelle der St .Autor-Kapelle an der Nordseite des Altstadtrathauses errichtet
1690
Errichtung des Stechinelli-Hauses durch Francesco Maria Capellini, genannt „Stechinelli“
Seitenanfang - 11.-13. Jhdt. - 14.-15. Jhdt. - 16.-17. Jhdt. - 18.-19. Jhdt. - 20. Jhdt. - Heute
1708
Entstehung der heutigen Front des „Haus zu den sieben Türmen“
1708
Herzog Anton Ulrich überlässt die Bartholomäuskapelle der reformierten Gemeinde
3. Februar 1709
Einweihung der umgestalteten Bartholomäuskapelle
1765
Einrichtung der „Herzoglichen Leihhausanstalt“ in der Jakobstraße 3
15. Januar 1828
Gründung eines Gesamtgymnasiums aus den beiden Schulen Martineum und Katharineum
1.Januar 1834
Starke Sturmschäden an den Westtürmen der Bartholomäuskapelle, die im Laufe des Jahres ganz abbrechen
1841-1852
umfassende Restauration des Altstadtrathauses durch Friedrich Maria Krahe
August 1858
der Caspari Vertrag spricht dem Staat das Gewandhaus zu, die Stadt Braunschweig erhält das Altstadtrathaus zurück
12. Oktober 1869
Umzug des Martino-Katharineums in den von Friedrich Maria Krahe geschaffenen Neubau an der Breiten Straße
Seitenanfang - 11.-13. Jhdt. - 14.-15. Jhdt. - 16.-17. Jhdt. - 18.-19. Jhdt. - 20. Jhdt. - Heute
1904
Georg Lübke restauriert die Bartholomäuskapelle
1907
das in Staatsbesitz befindliche Gewandhaus wird an die Stadt Braunschweig verkauft
1910
Einzug der IHK in das Gewandhaus
15. Oktober 1944
Luftangriff auf Braunschweig, zahlreiche Gebäude der Altstadt werden schwer beschädigt und zum Teil völlig zerstört
1946
Einsturz des oberen Ostgiebels des Gewandhauses in einer Sturmnacht
1948-1950
Rekonstruktion des Gewandhauses durch die Architekten und Bildhauer Friedrich Wilhelm Kraemer, Jakob Hofmann, Kurt Edzard und Karl Paul Egon Schiffers
1948
originalgetreuer Aufbau des alte Zollhaus aus Rüningen von 1643, an Stelle der im Krieg vollständig zerstörten Krambuden an der Nordwestecke des Gewandhauses
4. Dezember 1951
Einweihung des restaurierten Marienbrunnens
1952 bis 1955
Wiederaufbau des Schulgebäudes des Martineo-Katharineums
1953
Wiederaufbau der zerstörten Bartholomäuskapelle in vereinfachter Form
1976
Renovierung der Gewandhausfassade
1977/1978
Rekonstruktion der Jakobskirche in Anlehnung an das äußere Erscheinungsbild des 15. Jahrhunderts
2. August 1988
Das Original der untersten Schale des Marienbrunnens wird auf Grund schädlicher Umwelteinflüsse durch eine Kopie ersetzt
1996
grundlegende Sanierung vom „Haus zu den sieben Türmen“
2006
Wiederaufbau der Jakob-Kemenate mit teils originalen, teils modernen Elementen
2009
Restauration des Renaissance Portals

